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Das Konzentrationslager Wöbbelin und die Gedenkstätte

Die Mahn- und Gedenkstätten erinnern an die Geschichte des Konzentrationslagers (KZ) bei Wöbbelin, eines Außenlagers des KZ Neuengamme. Im Dorf Wöbbelin wurde auf Befehl der amerikanischen Truppen am 8. Mai 1945 ein Teil der Toten bestattet, die in dem Lager ums Leben kamen. Ihre Gräber befinden sich neben der Grabstätte Theodor Körners und seiner Familie in der öffentlich zugänglichen Parkanlage neben dem Museum.

Das Konzentrationslager Wöbbelin befand sich direkt an der Straße zwischen Wöbbelin und Ludwigslust und existierte nur zehn Wochen – vom 12. Februar bis zum 2. Mai 1945.

Bereits im Herbst 1944 wurde ein kleines Holzbarackenlager mit dem Namen „Reiherhorst“ 2,5 km hinter Wöbbelin Richtung Ludwigslust von Zwangsarbeitern und italienischen Kriegsgefangenen, die in Rastow interniert waren, gebaut. In dieses Lager kamen in der Nacht vom 14. zum 15. Februar 500 Häftlinge aus dem KZ Neuengamme, die 500 m entfernt ein Lager für amerikanische und englische Kriegsgefangene errichten sollten. Das so genannte Stalag Luft IV, Groß Tychow (in der Nähe von Swinemünde gelegen) sollte nach Wöbbelin verlegt werden. Die KZ-Häftlinge mussten mit Unterstützung von Firmen aus Ludwigslust und Umgebung unter katastrophalen Arbeitsbedingungen bei Schnee und Kälte das neue Lager errichten. Am 27. Februar traf ein zweiter Transport mit 50 Häftlingen aus dem KZ Bergen-Belsen im Lager „Reiherhorst“ ein, am 23. März 1945 folgten weitere 157 Häftlinge aus dem KZ Neuengamme. Die Häftlinge aller drei Transporte wurden zum Aufbau des neuen Lagers eingesetzt. Bis zum 24. März 1945 kamen 82 Häftlinge aufgrund der extremen Arbeitsbedingungen, der schlechten Versorgung, aber auch nach Fluchtversuchen zu Tode. Der erste Häftling, ein Holländer, starb bereits am 17. Februar 1945.

Die Toten des Lagers wurden bei Einbruch der Dunkelheit mit einem Handkarren in das Dorf Wöbbelin gebracht und dort am Ende des Friedhofs in einem Massengrab beerdigt. Nach dem 25. März wurden sie in Massengräbern hinter dem Lagergelände im Neu Lüblower Wald verscharrt. 1951 wurden die KZ-Opfer, die auf dem Wöbbeliner Friedhof begraben worden waren, exhumiert und auf den Bestattungsplatz am Museum umgebettet.

Laut Bewegungsliste waren am 24. März 1945 noch 622 Häftlinge im Lager „Reiherhorst“ inhaftiert, die täglich beim Bau des neuen Lagers eingesetzt wurden. Vermutlich wurden die KZ-Häftlinge Anfang April 1945 aus dem Lager „Reiherhorst“ dann in das noch nicht zu Ende errichtete Steinbarackenlager überstellt.

Als die Fronten immer näher rückten, wurde Wöbbelin zwischen dem 15. und 26. April 1945 zum Auffanglager für verschiedene Evakuie-rungstransporte vor allem aus den Außenlagern des KZ Neuengamme. Der erste Evakuierungstransport traf am 13. April aus Porta Westfalica bzw. Schandelah/Fallersleben in Wöbbelin ein, zwei Tage später wurden die Häftlinge in das Lager gebracht. Es folgten Transporte aus dem Neuengammer Außenlager Helmstedt-Beendorf, aus Kelbra, ein Außen-kommando des KZ Buchenwald, aus Kaltenkirchen, wiederum ein Außenlager von Neuengamme, und aus dem KZ Ravensbrück. Die meisten Häftlinge dieses letzten Zuges, unter ihnen vor allem jüdische Menschen, waren vorher aus anderen Lagern (Mittelbau-Dora, Braunschweig-Schillstraße, Sachsenhausen) nach Ravensbrück gekommen. Tagelang waren die Transporte unterwegs. Es gab keine ausreichende Kleidung und Versorgung, viele KZ-Häftlinge waren unterernährt und bereits psychisch traumatisiert.

In dem Lager Wöbbelin trafen sie auf katastrophale Zustände. Die Baracken hatten keine Fußböden und keine Fenster, die Betten bestanden aus roh behauenen Holzstämmen. Der Waschraum war als solcher nicht nutzbar; es gab keinen Wasseranschluss. Zwischen den Baracken befand sich eine einzige Wasserpumpe für alle Häftlinge. Wie viele Bauten das KZ Wöbbelin umfasste, ist nicht genau festzustellen. Bisher sind keinerlei Baupläne gefunden worden. Vermutlich gab es fünf Unterkunftsbaracken, davon ein Lazarett, sowie zusätzlich eine Küchenbaracke, eine Latrine und einen „Waschraum“.

Als Wöbbelin zum Auffanglager wurde, übernahmen SS-Obersturmbannführer Paul Werner Hoppe, zuvor Kommandant des KZ Stutthof, und sein Stellvertreter, SS-Hauptsturmführer Theodor Konrad Jakob Meyer, das Kommando in Wöbbelin. Es gibt kaum Informationen zur Bewachung des Lagers. Als gesichert gilt jedoch, dass die Begleitmannschaften der Transporte aus den anderen Lagern für die Bewachung eingeteilt wurden.

Ende April befanden sich im KZ Wöbbelin mehr als 5000 Häftlinge aus mindestens 20 Nationen, von denen in den letzten Tagen immer mehr verhungerten oder an den Folgen der Haft starben. Am Ende kamen mehr als 1000 Menschen im Konzentrationslager Wöbbelin zu Tode.

Als die alliierten Truppen näher rückten, begann am 1. Mai die Evakuierung des Lagers. Die nicht mehr transportfähigen Häftlinge blieben im Lager zurück, die anderen wurden in einen Güterzug gebracht, der jedoch wegen einer defekten Lokomotive nicht mehr abfahren konnte. Am Morgen des 2. Mai verließen die Häftlinge die Waggons wieder und kehrten in das Lager zurück. Auf dem Lagergelände fanden sie zahlreiche Leichen. Die SS hatte all diejenigen erschossen, die versucht hatten, sich zu verstecken. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Einheiten der 82. US-Luftlandedivision und der 8. US-Infanterie bereits Ludwigslust bzw. Hagenow erreicht, die Rote Armee stand bei Grabow und Neustadt-Glewe. Gegen Mittag stellte die SS noch einmal ca. 300 deutsche Häftlinge zu einem Transport zusammen und trieb diese in Richtung Schwerin. In Dreenkrögen jedoch setzten sich die Wachmänner ab. Die Häftlinge schlugen sich in Richtung Rastow durch, wo sie am 3. Mai befreit wurden. Gegen Mittag des 2. Mai hatten bereits die restlichen Wachmannschaften das Lager Wöbbelin verlassen. Die etwa 3.500 dort verbliebenen Häftlinge waren frei, ohne dass sie die Freiheit als solche wahrnehmen konnten. Durch einen Zufall entdeckten amerikanische Soldaten am frühen Nachmittag desselben Tages das Lager Wöbbelin, das in keinen Karten verzeichnet war. Was sie dort erblickten, sollten sie niemals vergessen.

Aufgrund der besonderen Geschichte dieses Konzentrationslagers nimmt die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus einen besonders wichtigen Platz in den Mahn- und Gedenkstätten ein. Neben der Dokumentationsausstellung „Zehn Wochen KZ-Außenlager Wöbbelin“ werden für die Besucher Gespräche mit Zeitzeugen, Filmvorführungen, Vorträge, Lesungen, Seminare und Workshops organisiert.

Darüber hinaus werden ehemalige Häftlinge und Familien, die Angehörige in dem Lager verloren haben, sowie Befreier und deren Angehörige betreut.

An das Leiden der Häftlinge des KZ-Außenlagers Wöbbelin erinnert seit 2005 ein Gedenkplatz am ehemaligen Lagergelände. Die Fläche aus schwarzen Klinkern wird von Rissen unterbrochen, die wie Wunden wirken. An den Rändern tragen die angrenzenden Steine 783 Namen und 43 Nummern von Opfern. Ein Rundweg, der von Informationstafeln und aus Abrisssteinen gemauerten Skulpturen gesäumt wird, führt die Besucher durch das ehemalige Lagergelände. Im Außengelände sind die Eindrücke besonders authentisch.

Zudem wird durch ein Sandsteinrelief des Künstlers Jo Jastram, das sich am Bestattungsplatz im Parkgelände hinter dem Museum befindet, an die Opfer der Todesmärsche im April 1945 gedacht.

Neben diesen Außenplätzen sind auch die Ehrenfriedhöfe für die Opfer fester Bestandteil von Führungen und können auch individuell besichtigt werden. Auf Befehl der amerikanischen Besatzungstruppen wurden die Opfer des KZ Wöbbelin am 7. Mai in Ludwigslust (200), am 8. Mai 1945 in Hagenow (144) sowie Schwerin (74) und Wöbbelin unter Anteilnahme der Bevölkerung ehrenvoll in Einzelgräbern beigesetzt.

Exkurs: Die Weiternutzung des Lagers

Nachdem das KZ-Außenlager Wöbbelin befreit und geräumt worden war, nutzte die Sowjetische Militäradministration das Gelände wenige Monate später als Aufnahmelager für Evakuierte, Flüchtlinge und Vertriebene, die nach Kriegsende zu Hunderttausenden in Mecklenburg-Vorpommern ankamen. Darüber hinaus wurden dort Bauern und Gutsbesitzer untergebracht, die im Rahmen der Bodenreform enteignet worden sind.

Der bauliche Zustand der Baracken war nach wie vor katastrophal, es herrschten Hunger, Kälte und Seuchen. Unklar ist, wie viele Menschen in den Jahren 1945 bis 1948 dort untergebracht waren und ob Männer, Frauen oder Kinder an den Lebensbedingungen in dem Lager starben.

Das Lager in Wöbbelin war aber kein Internierungs- oder Gefangenenlager wie etwa das Lager „Fünfeichen“ in Neubrandenburg kennen. Es gab kein Lagerregime, kaum Bewachung und das Gelände konnte von den Zivilisten stunden- und tageweise verlassen werden.