Wir trauern um Werner Tom Angress
Am 5. Juli 2010 verstarb Professor Dr. Werner Thomas Angress in Berlin.
Werner "Tom" Angress wurde 1920 als Kind einer bürgerlichen jüdischen Familie in Berlin geboren. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten musste er als Jugendlicher in Berlin die zunehmende Ausgrenzung aus dem öffentlichen Leben und die Verweigerung des Zuganges zu einer höheren Schulbildung erleben. Vor diesem Hintergrund ständig verschärfter Repression betrieb seine Familie die Auswanderung aus dem nationalsozialistischen Deutschland.
Werner Tom Angress gelang 1939 die Einwanderung in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo er in die amerikanische Armee eintrat. Bei der Befreiung Europas von der Herrschaft der Nationalsozialisten war Werner Tom Angress buchstäblich an vorderster Front beteiligt. 1944 sprang er als Sergeant der 82. US-Luftlandedivision mit dem Fallschirm über der Normandie ab, um die Landung der Alliierten zu unterstützen, wobei er kurzzeitig in deutsche Kriegsgefangenschaft geriet.
Mit der 82. US- Luftlandedivision erreichte er im Mai 1945 Ludwigslust, wo er an der Befreiung des Konzentrationslagers Wöbbelin beteiligt war. Während er seine Mutter und seine zwei Brüder, die in den Niederlanden versteckt den Holocaust überlebten, wieder treffen durfte, musste er erfahren, dass sein Vater in Auschwitz umgebracht worden war.
Werner Tom Angress kehrte nach dem Krieg in die USA zurück und wurde später Professor für Deutsche und Europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Seit 1988 lebte er wieder in Berlin.
Professor Angress war ein engagierter Förderer der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, der viele Jahre lang unsere Arbeit als Zeitzeuge begleitete und unterstützte. Es war ihm immer wichtig, den Gesprächspartnern zu vermitteln, wie furchtbar es ist, Ausgrenzung zu erfahren, und wie wichtig es ist, ethische Werte wie Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und die Achtung vor den Mitmenschen zur Geltung zu bringen.
Mit Werner Tom Angress verlieren wir einen kenntnisreichen Historiker, einen authentischen und überzeugenden Zeitzeugen und einen engagierten Förderer.
Das Gute in der Welt geschieht, weil jemand mehr tut, als er muss. Dies hat er mit Bescheidenheit getan.
Wir werden seine menschliche Wärme und seinen freundschaftlichen Rat vermissen.
Ramona Ramsenthaler
Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin
Im Namen des Fördervereins der Mahn- und Gedenkstaetten Wöbbelin und des Vereins Mahn- und Gedenkstaetten im Landkreis Ludwigslust e.V.