Am 2. Mai 1945 befreiten US-amerikanische Truppen das Konzentrationslager Wöbbelin, zugleich endete mit dem Einzug der Alliierten der Zweite Weltkrieg in der Region. Aus diesem Anlass veranstalten die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin eine Reihe von Veranstaltungen. Den Auftakt macht das Bläserquintett OPUS 45 mit dem Schauspieler Roman Knižka. Am Sonntag, dem 26. April sind sie in Parchim im Solitär zu Gast.
„Deutschland, siehst du das nicht?“ – der Titel greift eine eindringliche Zeile aus Kurt Tucholskys Gedicht „Deutschland, erwache!“ von 1930 auf. Es ist ein scharf formulierter Warnruf vor Radikalisierung, Gewalt und dem Zerfall demokratischer Normen. Vielleicht ahnte Tucholsky bereits, dass der Untergang der ersten deutschen Demokratie bevorstand: Weltwirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit, soziale Not, politische Radikalisierung, Straßenschlachten, Notverordnungen und Präsidialkabinette prägten das Bild – die junge Republik taumelte scheinbar unaufhaltsam ihrem Ende entgegen.
Und doch war dies auch eine Zeit kultureller Blüte. Brecht und Weill erfanden die Oper neu, Walter Mehrings „Der Kaufmann von Berlin“ löste einen Theaterskandal aus. Die Uraufführung von Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ provozierte Nazi-Proteste, während Marlene Dietrich als Lola die Leinwand eroberte. Massen strömten zu Sportveranstaltungen, Boxweltmeister Max Schmeling wurde zur Ikone, die Großstädte feierten Rausch und Rebellion: Sex, Drogen, Charleston.
In ihrem neuen Programm begeben sich Roman Knižka und OPUS 45 in diese dramatische wie schillernde Schlussphase der Weimarer Republik – und knüpfen damit an ihr viel beachtetes Weimar-Programm „In diesem Land …“ zum Krisenjahr 1923 an.
Vom Tod Gustav Stresemanns bis zur Machtübernahme Hitlers verfolgt Roman Knižka die politischen und gesellschaftlichen Stationen dieses finalen Kapitels. Literarische Texte von Kurt Tucholsky, Erich Kästner und Mascha Kaléko treffen auf zeitgenössische Reportagen und Tagebücher – etwa von Victor Klemperer, Sebastian Haffner oder Dorothy Thompson.
Das Bläserquintett OPUS 45 bildet die musikalische Vielfalt der Epoche ab – mit Werken von Hanns Eisler, Kurt Weill, Erwin Schulhoff, Jean Françaix und Paul Juon. Daneben erklingen Schlager und Tanzmusik jener Jahre – von Cole Porter bis zu den Comedian Harmonists.
Die Weimarer Republik war keine Totgeburt. Ihr Scheitern war nicht zwangsläufig. Am Ende des Programms steht daher die zentrale Frage: Welche Lehren ziehen wir heute aus dem Untergang der ersten deutschen Demokratie?
Ort: Solitär, Putlitzer Straße 25, 19370 Parchim
Zeit: 15 Uhr (Einlass ab 14 Uhr)
Der Eintritt ist frei.
Gefördert durch die Landeszentrale für politische Bildung MV
Anlässlich des 81. Jahrestags der Befreiung finden außerdem folgende Veranstaltungen statt:
30. April: Lesung und Vernissage der Ausstellung „Stille Zeugnisse“ im Gemeindehaus Rastow
2. Mai: Internationale Gedenkveranstaltung am ehemaligen Lagergelände

