Die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin zeigen in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung MV und der Stadt Ludwigslust vom 27.08. bis zum 08.09.2021 die Open-Air-Wanderausstellung #StolenMemory der Arolsen Archives in Ludwigslust. Die gemeinsame Eröffnung fand zusammen mit der Ministerin Bettina Martin und Katharina Menschick von den Arolsen Archives statt. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen der letzte Besitz von KZ-Inhaftierten und die Frage, wie es heute noch gelingt, diese sogenannten Effekten an Familien der Opfer zurückzugeben.
Zu sehen ist die Ausstellung in einem aufklappbaren Übersee-Container auf dem Alexandrinenplatz.

 „„Effekten“ sind persönliche Gegenstände, die Häftlinge bei ihrer Ankunft in den Konzentrationslagern von den Nationalsozialisten abgenommen wurden. Oft waren es Eheringe, Uhren, Füller oder Brieftaschen mit Fotos. #StolenMemory ist eine Kampagne der Arolsen Archives zur Rückgabe dieser persönlichen Gegenstände an die Angehörigen. Über 500 Familien konnten seit dem Start der Kampagne 2016 bereits gefunden werden. Die Ausstellung zeigt Bilder solcher „Effekten“ und erzählt vom Schicksal von zehn NS-Verfolgten“, erklärt Katharina Menschick.

Das Ziel der Ausstellung: Aufmerksamkeit und Unterstützung

Unter der Überschrift „Gefunden“ lenkt die Ausstellung den Blick auf persönliche Gegen­stände, die bereits zurückgegeben werden konnten. Sie berichtet vom Verfolgungsweg der einstigen Besitzer*innen und den Rückgaben an die ihre Familien heute. Mit dem Smartphone können die Besucher*innen über eine App Videoportraits aufrufen, in denen die Angehörigen selbst zu Wort kommen.

Unter der Überschrift „Gesucht“ werden „Effekten“ gezeigt, die noch auf ihre Rückgabe warten. Eine wichtige Botschaft ist deshalb auch: Jede*r kann die Arolsen Archives bei der Rückgabe der Effekten unterstützen und sich selbst auf Spurensuche nach den Ver­folgten und ihrer Familien begeben. Denn noch immer bewahrt das Archiv gestohlene Erinnerungsstücke von knapp 2.500 Personen aus ganz Europa auf.

„Diese Ausstellung zeigt einen weiteren Aspekt der Identitätsberaubung von KZ-Häftlingen durch die Nationalsozialisten. Auch den Häftlingen aus dem Konzentrationslager Wöbbelin, welches sich in der Nähe von Ludwigslust befand, ist meist nichts aus ihrem Leben vor der Haft geblieben. Welche große Bedeutung diese persönlichen Gegenstände für die Familien haben, wissen wir durch unseren Kontakt zu vielen Angehörigen. Denn jeder Gegenstand zurück, ist auch ein Stück Identität zurück,“ sagt Anja Pinnau, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin.

Ausstellung und Website

Seit August 2020 reist die #StolenMemory-Ausstellung durch Deutschland. In Mecklenburg-Vorpommern wird sie in diesem Jahr nur an zwei Standorten zu sehen sein – in Ludwigslust und in Bergen auf Rügen. Das Projekt konnte von den Arolsen Archives dank der Fördermaßnahme „Kultur in ländlichen Räu­men“ (Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien) umgesetzt werden. Auf­grund der großen Nachfrage gibt es seit 2021 einen zweiten Container, der nun auch größere Städte ansteuert.

Begleitend zur Ausstellung bietet die Website stolenmemory.org interessante Einblicke: Kurze, animierte Filme mit ergänzenden Webstories erzählen von individuellen Schick­salen. Diese Materialien wurden speziell für Jugendliche entwickelt und im Juni 2021 mit dem Grimme Online Award in der Kategorie „Wissen und Bildung“ ausgezeichnet.  Auf der Website steht zudem umfangreiches pädagogisches Material zum kostenlosen Download zur Verfügung, das von Schulen und Bildungs­einrichtungen auf allen Stationen der Wanderausstellung genutzt werden kann. Bei der Eröffnung am Freitag in Ludwigslust konnten bereits Schüler*innen aus dem Schweriner Haus des Lernens zusammen mit ihrer Lehrerin Bärbel Mäder die Ausstellung kennen lernen und mit dem pädagogischen Angebot arbeiten.

Wo: 19288 Ludwigslust, Alexandrinenplatz (Parkplatz neben der Alexandrinenresidenz)
Wann: 27.08. – 08.09.2021
Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 9:00 – 17:00 Uhr, So. 11:00 – 17:00 Uhr

Link zur Website #StolenMemory: https://stolenmemory.org/

Über die Arolsen Archives

Die Arolsen Archives sind ein internationales Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit um­fassendsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Seit 2016 veröffentlicht die Institution online eine Vielzahl an Originaldokumenten zu den verschiedenen Opfer­gruppen des NS-Regimes aus Konzentrationslagern und ist eine wichtige Wissensquelle für die heu­tige Gesellschaft. Mittlerweile stehen mehr als 27 Millionen Schriftstücke – Deportationslisten, Inhaf­tierungsdokumente, Registrierungen von Vermissten und viele weitere.