Salomon J. Birenbaum
16.11.1926 – 30.12.2023

Die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin sowie der Verein Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust-Parchim e.V. trauern um Salomon Birenbaum, der am 30. Dezember 2023 im Alter von 97 Jahren in den USA verstarb.

Salomon Birenbaum wurde am 16. November 1926 als Kind jüdischer Eltern in der polnischen Stadt Radom südlich von Warschau geboren. Als Jugendlicher überlebte er in der Zeit des Nationalsozialismus das Ghetto Radom, die Konzentrationslager Majdanek, Auschwitz-Birkenau, Buchenwald, Sachsenhausen, Ravensbrück und schließlich das Neuengammer Außenlager Wöbbelin bei Ludwigslust. Während dieser Zeit musste er in mehreren sogenannten Außenkommandos und KZ-Außenlagern Zwangsarbeit für die deutsche Rüstungsindustrie leisten.

Mit dem letzten Transport kam Salomon Birenbaum am 26. April 1945 aus dem KZ Ravensbrück im Lager Wöbbelin an und wurde dort am 02. Mai 1945 völlig entkräftet befreit. Seine Mutter, die er im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau aus den Augen verloren hatte, traf er nach dem Krieg wieder. Sein jüngerer Bruder David jedoch wurde in Folge einer Selektion durch den SS-Arzt Josef Mengele in Auschwitz vergast. Nach seiner Genesung ging Salomon Birenbaum zunächst zurück in seine Heimat nach Radom. Als der Vater im Januar 1946 nach seiner Haft aus einem sowjetischen Gulag zurückkehrte, beschloss die Familie in die USA zu emigrieren.

In der neuen Heimat baute sich Salomon Birenbaum sein eigenes Leben auf. Er studierte, besuchte die Abendschule, gründete eine Familie und schließlich auch eine eigene Firma. Mit seiner Ehefrau Joanna war Salomon Birenbaum viele Jahre ein treuer Begleiter der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin. Solange er es gesundheitlich konnte, nahm er an den Gedenkveranstaltungen anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers teil. Er sprach mit vielen Schülerinnen und Schülern im Landkreis Ludwigslust-Parchim und teilte mit ihnen seine Erlebnisse in den Lagern. Bis zu seinem Tod war es Salomon Birenbaum wichtig, an den Orten der grausamen Geschehnisse seiner Jugend zu sein, um mit seiner Anwesenheit zu zeigen, wie wichtig ein „Nie wieder“ ist.

Salomon Birenbaum bleibt als ein wichtiger und sympathischer Freund in Erinnerung, der mit seiner sachlichen und zurückhaltenden Art, aber auch mit seinem Charme und seinem Witz viele Menschen für sich begeisterte und inspirierte. Wir werden ihn sehr vermissen und verabschieden uns in seiner Art:

„Wir sagen nicht Goodbye, sondern auf Wiedersehen!“

Das Team der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin

 

(English version)

The Wöbbelin Memorial and the Association of Memorials in the Ludwigslust-Parchim County are mourning the loss of Salomon Birenbaum, who died in the USA on December 30, 2023 at the age of 97.

Salomon Birenbaum was born on November 16, 1926 to Jewish parents in the city of Radom, south of Warsaw, Poland. Being a teenager during the Nazi regime, he survived the Radom ghetto, the concentration camps Majdanek, Auschwitz-Birkenau, Buchenwald, Sachsenhausen, Ravensbrück and finally the Neuengamme subcamp Wöbbelin near Ludwigslust. During this time, he had to perform forced labor for the German armaments industry in several so-called external commandos and subcamps.

Salomon Birenbaum arrived at the Wöbbelin camp with the last transport from the concentration camp Ravensbrück on April 26, 1945 and was liberated completely exhausted on May 2, 1945. He met his mother, whom he had lost sight of in the Auschwitz-Birkenau extermination camp, again after the war. His younger brother David, however, was gassed in Auschwitz as the result of a selection by SS doctor Josef Mengele. After his recovery, Salomon Birenbaum initially returned to his home in Radom. When his father returned from a Soviet gulag in January 1946, the family decided to emigrate to the USA.

In his new homeland, Salomon Birenbaum built his own life. He studied, attended night school, started a family and eventually founded his own company. For many years, Salomon Birenbaum and his wife Joanna were loyal companions of the Wöbbelin Memorial. As long as he was in good health, he took part in the commemorations marking the liberation of the concentration camp. He spoke to many pupils in the Ludwigslust-Parchim county and shared his experiences in the camps with them. Until his death, it was important to Salomon Birenbaum to be at the sites of the horrific events of his youth to emphasize the importance of „never again“ with his presence.

Salomon Birenbaum will always be remembered as an important and warm friend who captivated and inspired many people with his matter-of-fact and reserved manner, but also with his charm and sense of humor. We will miss him very much and say farewell in his own way:

„Wir sagen nicht Goodbye, sondern auf Wiedersehen!“

(„We’re not saying goodbye, we’re saying See you soon!“)