Im Besucherzentrum der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin wird vom 09.07. bis zum 27.08.2023 die Wanderausstellung „asozial“ – Ausgrenzung gestern und heute zu sehen sein. In den Jahren 2017/2018 wurde am Institut für Konfliktforschung ein Forschungsprojekt zum Thema „‘Asozial‘ im Nationalsozialismus und die Fortschreibung im Nachkriegsösterreich“ durchgeführt. Die Ergebnisse ihrer Studie haben die Forscherinnen Helga Amesberger, Brigitte Halbmayr und Elke Rajal im März 2019 unter dem Titel „arbeitsscheu und moralisch verkommen“. Verfolgung von Frauen als „Asoziale“ im Nationalsozialismus im Mandelbaum Verlag publiziert. Parallel dazu haben Helga Amesberger und Brigitte Halbmayr die wichtigsten Ergebnisse kompakt, nachvollziehbar und anschaulich auf Thementafeln festgehalten und auf Roll-ups für eine Wanderausstellung drucken lassen.

Auf insgesamt 14 Tafeln werden die zentralen Zuschreibungen von „Asozialität“, die rechtlichen Grundlagen, behördlichen Routinen und Verfolgungswege erörtert. Zwangssterilisationen und Verfolgung von Jugendlichen, die Arbeitsanstalten für „asoziale“ Frauen sowie die Überlebensbedingungen für „Asoziale“ in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Uckermark sind weitere Themen. Zudem veranschaulichen zwei Porträts von als „asozial“ verfolgten Frauen die Folgen der solcher Art Stigmatisierten für deren Lebensweg.

Besonders wichtig war es den Ausstellungsgestalterinnen, den Gegenwartsbezug der Stigmatisierung und Diskriminierung von sozialen Randgruppen zu betonen. Die Benennung von Menschen bzw. Menschengruppen als „anders“ und deren Abwertung als „fremd“ und „unzugehörig“ – aufgrund ihres Verhaltens, ihrer Moral, ihrer Herkunft, ihrer ökonomischen Möglichkeiten, ihrer Religion, ihres Geschlechts etc.– begegnet uns auch heute; auch heute gilt, dass den gesellschaftlichen und politischen Diskursen rasch Taten folgen können, die ausgrenzend wirken und so die Gesellschaft spalten. So lag nahe, politische Vorhaben bzw. deren tatsächliche Umsetzung als Beispiele heranzuziehen.

Am Sonntag, den 09.07.2023 laden die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin um 11 Uhr zu einer kleinen Ausstellungseröffnung mit Kaffee und Kaltgetränken ins Besucherzentrum ein. Ab 13 Uhr wird zusätzlich eine öffentliche Führung an der Gedenkstätte auf dem ehemaligen Lagergelände des KZ Wöbbelin (L72) angeboten. Die Führung ist kostenfrei.