Begegnung der Generationen 2010

Der Verein Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust e. V. und der Förderverein der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin e. V. hatten vom 1. bis 3. Mai zur Internationalen Begegnung der Generationen nach Wöbbelin und Ludwigslust eingeladen. 65 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Wöbbelin und dem Ende der Todesmärsche in der Region waren Überlebende aus den USA, Israel, Belgien, Polen, Lettland und Deutschland sowie viele Angehörige aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich und der Ukraine an den historischen Ort gekommen. Es waren ereignisreiche Tage mit vielen Begegnungen an den verschiedenen Gedenkorten.

Die Gedenkveranstaltung in Wöbbelin

Am 1. Mai wurde an den KZ-Gräbern am Museum in Wöbbelin der Opfer gedacht und an die Befreiung des Lagers Wöbbelin erinnert. Unter den Ehrengästen konnte Frau Dr. Carina Baganz, die Vorsitzende des Fördervereins, auch Herrn Prof. Dr. Werner Tom Angress begrüßen, der als Angehöriger der 82nd US Luftlandedivision an der Befreiung des Lagers beteiligt war. In ihrer Ansprache erinnerte Dr. Baganz an das „…unvorstellbar demütigende Leiden“ der Opfer. Der Opfer zu gedenken hieße aber nicht nur, die Erinnerung an das Geschehene wach zu halten sondern diese auch an die nachwachsenden Generationen weiter zu geben

Die Gedenkveranstaltung an der KZ-Gedenkstätte am 2. Mai

Viele Menschen auch aus dem Landkreis Ludwigslust und der weiteren Umgebung haben am 2. Mai während der Gedenkveranstaltung an der KZ Gedenkstätte auf dem ehemaligen Lagergelände der Opfer gedacht und den Tag der Befreiung gewürdigt. Unter ihnen waren der Landrat des Landkreises Ludwigslust, Herr Rolf Christiansen, und weitere Vertreter der Politik und Öffentlichkeit sowie der Überlebende Herr Salomon Birenbaum aus den USA und der Bürgermeister der Stadt Putten in den Niederlanden. Putten (ca 30.000 Einwohner) gehört zu den Märtyrerstädten und hat eine besondere Geschichte. Nach einer Razzia am 2. Oktober 1944 wurden 602 Jungen und Männer von den Deutschen über das Kamp Amersfoort nach Neuengamme deportiert. Einige kamen im Frühjahr 1945 in das KZ Wöbbelin, 13 von ihnen starben hier. Nur 49 Männer sind nach dem Kriegsende lebend in die Niederlande zurückgekehrt. Umso beeindruckender ist es, dass Herr Jan von Putten in seiner Rede die Versöhnung zwischen den Völkern würdigte. Es waren viele Kinder und Enkelkinder von Opfern und Überlebenden des KZ Wöbbelin an diesem Wochenende gekommen, um Blumen nieder zu legen und um sich zu erinnern. Der Überlebende Laszlo Berkowits erinnerte daran, dass das wichtigste Gut, die Verteidigung der Menschenrechte für alle Menschen sei.

Zeitzeugengespräche

Am Nachmittag und am nächsten Tag standen die Gespräche mit den Zeitzeugen im Mittelpunkt. Im Saal des Landratsamtes in Ludwigslust fand ein Podiumsgespräch mit den Ehrengästen Erich Kary aus Ludwigslust, Laszlo Berkowits aus Washington, Janusz Kahl und Wanda Zatryb aus Polen statt. Geschichte wird greifbarer, wenn Überlebende von den Geschehnissen zeugen und uns ihre Erinnerungen mitteilen, diese an die nachfolgenden Generationen weiter geben. Vergessen ist das letzte Verbrechen, was man den Opfern antun kann. Gedenken und Nachdenken über die Vergangenheit schaffen Orientierung für die Zukunft. Deshalb ist die lebendige Erinnerung an und die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte Grundlage von Gedenkstättenarbeit. Aus diesem Grunde fanden am Vormittag des 3. Mai an verschiedenen Schulen in Ludwigslust, Hagenow und Schwerin Zeitzeugengespräche statt. Sergej N. Rotko aus der Ukraine sprach am Schweriner Fridericianum über seinen Vater Nikolaj N. Rotko, der am 20. April verstorben ist. Er übernimmt dessen Vermächtnis und spricht auch darüber, wie das Schicksal von Nikolaj N. Rotko die Familie geprägt hat.

Danksagung

Wir danken der Landeszentrale für politische Bildung M/V, dem Landkreis Ludwigslust, der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, der Rosa-Luxemburg-Stiftung und allen freiwilligen Helfern für die Unterstützung der Internationalen Begegnung der Generationen.