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Neue Forschungsergebnisse zur regionalen Geschichte Mecklenburgs

2013-06-13 15:22

Parchim. Neue Forschungsergebnisse zur regionalen Geschichte Mecklenburgs und wurden am Freitag in Parchim vorgestellt. Etwa dreißig Teilnehmer waren der Einladung des Vereins Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust-Parchim und des Verein Politische Memoriale M-V in das Landratsamt gefolgt. Themen waren die Rolle der Mecklenburger Polizei im NS-Staat, die Produktionsstätte für die V1 Luftwaffenmunitionsanstalt Pulverhof 7/ XI bei Rastow, Aufnahme und Integration von Flüchtlingen in Mecklenburg nach 1945 und die Todesmärsche der KZ-Häftlinge aus Sachsenhausen.

Der Historiker Dr. Klaus-Ulrich Keubke analysierte die Rolle der Polizei im NS-Staat. Er zeigte auf, dass die Mehrheit der Polizeiangehörigen aus Mecklenburg Anfang 1933 Mitglied der NSDAP wurde und nicht nur im Inland, sondern auch in den besetzten Gebieten zum Einsatz kamen und auch an der Auflösung des Rigaers Gettos 1941 beteiligt waren. Den Stand der Forschungen zur Luftwaffenmunitionsanstalt Pulverhof 7/XI bei Rastow zeigte Wolfgang Utecht, Leitender Verwaltungsbeamter im Amt Ludwigslust-Land, auf. Ausgelöst durch Nachfragen zur Entschädigung durch ehemalige Zwangsarbeiter beschäftigt er sich seit einigen Jahren mit der sogenannten Muna Pulverhof. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es insgesamt 196 „Rüstungsaltlastenstandorte“, davon fünf Luftmunitionsanstalten. Diese dienten zur Füllung von Munition und deren Lagerung. Die Muna umfasste eine Fläche von 500 ha. Sie war Zulieferer für die V1-Angriffe auf London. Zur Waffenproduktion wurden hier insgesamt 800 Zwangsarbeiter aus elf Nationen eingesetzt. In der anschließenden Diskussion verwies der Heimatforscher Eberhard Schultze auf Zusammenhänge mit dem Zwangsarbeiterlager am Parchimer Flugplatz und der Herstellung der V2-Waffe in Slate-Süd hin. Hier besteht noch erheblicher Forschungsbedarf.

Prof. Dr. Matthias Pfüller untersuchte die prekäre Situation von Einheimischen und Flüchtlingen in Mecklenburg nach 1945. In den ersten Nachkriegsjahren kam auf jeden Mecklenburger ein Flüchtling.

Zur Erinnerungskultur an die Opfer der Todesmärsche sprachen Carmen Lange und Elvira Grossert, dieses Thema soll 2015 bei einer Tagung bezogen auf ganz Deutschland vertieft werden.

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