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Zeitzeugengespräch mit Janusz Kahl und Urzsula Spinkiewisz an der Dr.-Ernst-Alban-Schule Rastow

2014-11-02 17:43

Gespräch mit Urzsula Spinkiewisz, Janusz Kahl, Inge Wandersee (Übersetzerin) (v. l.) in der Dr.-Ernst-Alban-Schule Rastow
Gespräch mit Urzsula Spinkiewisz, Janusz Kahl, Inge Wandersee (Übersetzerin) (v. l.) in der Dr.-Ernst-Alban-Schule Rastow

Wöbbelin/Rastow: Ein polnischer Überlebender des KZ Wöbbelin beantwortete am Mittwoch Fragen der Schüler der Dr.-Ernst-Alban-Schule Rastow. Das Zeitzeugengespräch ist Bestandteil zweier neuer Geschichtsprojekte an der Schule. Sie wurden von Ramona Ramsenthaler, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, und der Geschichtslehrerin, Christiane Pioch, initiiert.

„Das ich überlebt habe, verdanke ich vielen Zufällen und glücklichen Umständen. So wurden wir in Wöbbelin am ersten Mai wieder in Waggons getrieben. Man wollte uns wohl auf Schiffe bringen und diese versenken. Doch war die Lok kaputt und wir kamen wieder ins Lager zurück“, so Janusz Kahl.

Janusz Kahl wurde am 10. August 1944 während des Warschauer Aufstands verhaftet. Er war damals nur wenig älter als die vor ihm sitzenden Schüler der 7. und 8. Klasse der Wahlpflichtkurse Geschichte, als seine Familie aus Warschau deportiert wurde. Heinrich Himmler hatte während des Aufstandes befohlen, die Zivilbevölkerung Warschaus zu evakuieren. Etwa fünftausend Menschen wurden in ein Durchgangslager verschleppt. Die Stadt in Schutt und Asche gelegt. Der Weg des heute 87-Jährigen führte über das Konzentrationslager Sachsenhausen in das Außenlager Alt Garge, Niedersachsen. Dort leistete er Schwerstarbeit bei der Errichtung eines Kohlekraftwerkes. Mangelnde Ernährung verursachten Krankheiten und eine hohe Todesrate. Im Februar 1945 erfolgte die Auflösung des Lagers. Janusz Kahl kam in das KZ Neuengamme und einen Monat später nach Wöbbelin. Am 2. Mai 1945 wurde er befreit. Die Schüler interessierten die Umstände der Befreiung. Sie fragten nach dem Schicksal seiner Familie und ob er die Erlebnisse im Konzentrationslager verarbeiten konnte. Der Komponist Kahl wurde begleitet von Urzsula Spinkiewisz, die von ihren Kriegserlebnissen in Warschau berichtete. Die neunzig Gesprächsminuten vergingen schnell. Neunzig Unterrichtsminuten, die einen tiefen Blick in die Zeit vor 70 Jahren ermöglichten. Den Schülern wird das fesselnde Gespräch sicher in Erinnerung bleiben. „Es war spannend, da Janusz Kahl im KZ war und es selbst erlebt hat. Das ist etwas anderes als ein Buch über Konzentrationslager zu lesen“, resümiert Leandra. Mary-Carmen stimmt zu: „Ein interessantes Gespräch über eine schreckliche Zeit. Ich freue mich, dass ich einen KZ-Überlebenden kennenlernen konnte“.

Christiane Pioch entschied sich nach einem Weiterbildungsseminar in Wöbbelin am Projekt Schulen und Gedenkstätten teilzunehmen, um mit Schülern lebendige und spannende Unterrichtsstunden zu gestalten. Seit Schuljahresbeginn arbeiten sieben Schüler der 8. Klasse und Toni Lübbe aus der 7. Klasse mit Mirko Schütze von der Sophie Medienwerkstatt an einem Filmprojekt über die Erlebnisse des Ludwigsluster Zeitzeugen Dieter Ueltzen. Toni Lübbe wird den jungen Ueltzen darstellen. Eine Gruppe Siebenklässler erkundet in einem zweiten Projekt die Denkmale der Region. Ziel ist es, ihre Geschichte zu dokumentieren.

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