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Nachruf

Laszlo Berkowits
Laszlo Berkowits

Laszlo Berkowits (1928 bis 2020)

Am 13. Dezember 2020 ist unser Zeitzeuge und Freund Rabbi Laszlo Berkowits verstorben. Er war mit den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin auf eine besondere Weise verbunden.

Laszlo Berkowits wurde am 9. Februar 1928 in Derecske, Ungarn, als Kind einer jüdisch-orthodoxen Familie geboren. Nach der Okkupation Ungarns im März 1944 wurde er mit seinem Vater und seinen beiden Schwestern während eines Begräbnisses von ungarischer Gendarmerie auf dem jüdischen Friedhof verhaftet und auf ein militärisch genutztes Gelände verschleppt. Von dort aus wurden sie in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort wurde ein Großteil seiner Familie ermordet. Die SS überstellte Laszlo Berkowits jedoch am 11. November 1944 in das KZ- Außenlager Braunschweig-Schillstraße, wo er für die Firma Büssing AG Braunschweig, die Lastkraftwagen für die Wehrmacht produzierte, Zwangsarbeit leisten musste. In Braunschweig musste er während des gesamten Winters Hilfsdienste im Freien verrichten; neben der schweren körperlichen Arbeit litt er an Hunger. Nach alliierten Bombenangriffen wurde dieses Außenlager evakuiert, und die Häftlinge mussten im März 1945 zu Fuß in das KZ Salzgitter-Watenstedt laufen. Am 7. April trieb die SS sie in Waggons und transportierte sie in das KZ Ravensbrück, wo sie eine Woche später eintrafen. Am 26. April 1945 kam Laszlo Berkowits gemeinsam mit zahlreichen anderen jüdischen Häftlingen mit dem achten Transport in das KZ Wöbbelin. „Wöbbelin war kein Tötungslager als solches – es gab hier keine Gaskammern oder Krematorien – ein Todeslager war es dennoch. Die Bedingungen waren so entsetzlich, dass Leute zu Hunderten verhungerten …“ (Laszlo Berkowits, 2012).

Nach der Befreiung des KZ Wöbbelin durch die US-Soldaten am 2. Mai 1945 kam Laszlo Berkowits über das DP-Camp Lüneburg nach Schweden. Von dort emigrierte er 1948 in die USA. Er studierte Theologie und 1963 erfolgte seine Ordination und Berufung zum Rabbiner im Temple Rodef Shalom in Virginia (USA). Er war Mitglied zahlreicher religiöser und humanitärer Organisationen. Am 18. Dezember 1995 übergab er eine „Tafel der Anerkennung“ an die 82. US-Luftlandedivision in Fort Bragg, North Carolina. Für ihn waren sie die „Retter des Himmels“, die ihm ein zweites Leben geschenkt hatten.

Seit 2001 besuchte Laszlo Berkowits im Rahmen der Gedenkveranstaltungen mehrfach die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin und führte viele Gespräche mit Jugendlichen in Schwerin und Ludwigslust. Die Vermittlung des Erlebten an die nachfolgenden Generationen war ihm ein besonderes Anliegen. Für ihn war die Jugend die Zukunft, und bis zuletzt war es ihm ein Bedürfnis, jungen Menschen von seinen Erfahrungen zu berichten. Sie sollten ihren Weg gehen, weil jeder Mensch die Freiheit hat zu entscheiden, ein schlechter oder guter Mensch zu werden. Er betonte immer, dass die jüngeren Generationen nicht verantwortlich seien für die Verbrechen ihrer Großväter, aber Verantwortung tragen für die Gestaltung einer friedlichen Zukunft ohne Gewalt und Konzentrationslager. Mit Anerkennung sprach er über die Erinnerungs- und die Bildungsarbeit der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin und bedauerte es sehr, dass er in den letzten Jahren aus gesundheitlichen Gründen die weite Reise aus Amerika nicht mehr antreten konnte.

Wir danken ihm dafür, dass er seine Geschichte weitergetragen hat und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren! Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie.

Im Auftrag der Mitglieder der Vereine
Rolf Christiansen, Vorsitzender des Vereins Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust-Parchim e.V.
Dr. Carina Baganz, Vorsitzende des Fördervereins der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin
Ramona Ramsenthaler, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin

Parchim und Wöbbelin im Januar 2021